Der Nachbar

Wenige Wochen vor der Westbalkankonferenz in Sarajevo am 2. Juni scheint die Frage nach einer Teilnahme Serbiens – und somit die Gefahr eines erneuten Scheiterns einer solchen Konferenz – keine hohen Wellen zu schlagen.

Vor Kurzem sprach ich zusammen mit meinen Kollegen in Berlin mit dem Präsidenten des Kosovo, Fatmir Sejdiu. Ich hatte zunächst angenommen, dass unser Gespräch sich hauptsächlich um die Regularien der Teilnahme des Kosovo drehen würde. Stattdessen erklärte uns Sejdiu relativ nüchtern, dass das Kosovo seine Teilnahme an der Konferenz zugesagt hat. Man werde teilnehmen, wenn jedes Land durch ein staatliches Symbol repräsentiert werde oder die Verteter nach dem Gymnich-Prinzip präsentiert werden.

Wenig überraschend fügte er hinzu: “Es wäre jedoch nicht akzeptabel, wenn wir mit einem Namensschild teilnehmen sollen, auf dem ‘Kosovo-UNMIK’ steht oder wenn darauf auf die UN-Resolution 1244 verwiesen wird, wie sich das Serbien wünscht. Das Kosovo ist ein unabhängiger Staat und wurde mittlerweile von 67 Ländern anerkannt. Diese Fortschritte will Serbien wieder zurückdrehen.”

In einem weiteren Gespräch mit Vladimir Radulovic, dem Botschafter Montenegros in Deutschland, wurde uns kürzlich erklärt, dass man davon ausgehe, dass Serbien in Sarajevo teilnehmen wird. Während Sejdiu wiederholt erklärt, dass man bereit sei mit Serbien über alles zu verhandeln – außer dem Status des Kosovo, heißt es aus Belgrad beharrlich, dass es eine Anerkennung des Kosovo niemals geben werde.

Aus diplomatischen Kreisen heißt es indessen, dass sowohl die EU, als auch die Vereinigten Staaten auf beide Seiten Druck ausüben würden. Neue Gespräche zwischen Belgrad und Priština scheinen demnach nicht ganz unwahrscheinlich. Handelt es sich also in beiden Fällen mittlerweile um routinierte Äußerungen der politischen Führung? Spielt die Statusfrage im Alltag der Bevölkerung des Kosovo nach zwei Jahren erklärter Unabhängigkeit noch eine Rolle?

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