Der Nachbar

Nur 127 der 250 Abgeordenten im serbischen Parlament konnten sich nach einer 13-stündigen hitzigen Debatte überwinden, mittels einer Resolution den Familien der bosniakischen Opfer des Massakers von Srebrenica ihr Mitgefühl auszusprechen.

Etwa 8000 muslimische Männer und Jungen wurden bei dem Massaker 1995 vom serbischen Militär und paramilitärischen Kräften umgebracht. Bis heute ist der als Hauptverantwortlicher für das Verbrechen geltende General Ratko Mladic für viele Serben ein Nationalheld.

Auch wenn das Wort “Völkermord” aus der Resolution gestrichen wurde, auch wenn es eine zweite Resolution geben wird, mit der die Opfer der serbischen Seite geehrt werden sollen, auch wenn Mladic weiterhin auf freiem Fuß lebt und auch wenn viele Serben noch nicht hinter dem Schuldbekenntniss zu Srebrenica stehen, so ist diese Resolution ein Meilenstein für Serbien und seine EU-Perspektive. Für den serbischen Präsidenten Boris Tadić war diese Resolution sogar so wichtig, dass er sein politisches Schicksal mit dieser Resolution verknüpft hatte. (Mehr dazu hier)

Die monatelange, teilweise aggressive Debatte um diese Srebrenica-Resolution hat gezeigt, wie gespalten das serbische Volk ist, wenn es darum geht, die eigene Vergangenheit zu bewerten. Das wird sich auch mit dieser Resolution nicht schlagartig ändern und das ist völlig normal. Die Jugoslawienkriege der 1990er Jahre haben tiefe Wunden in den Völkern der Balkanländer hinterlassen, die – im besten Fall – erst mit den nachfolgenden Generationen vernarben werden.

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