Der Nachbar

Die Erwartungen an die am 20. März in Brdo (Slowenien) stattfindende Westbalkan-Konferenz waren hoch. Erstmals seit 18 Jahren sollten alle Staaten des ehemaligen Jugoslawien plus Albanien an einen Tisch gebracht werden. Der serbische Präsident Boris Tadić und der kosovarischen Premierminister Hashim Thaçi an einem Tisch? Das wäre ein symbolischer Akt – der nicht stattfinden wird. Bis zuletzt hat sich der slowenische Ministerpräsident Borut Pahor bemüht, beide Parteien von einer Teilnahme zu überzeugen. Heute erfuhr ich aus dem Büro des Ratspräsidenten, dass Herman Van Rompuy nicht nach Brdo reisen werde. Er plane stattdessen, die Region “sobald wie möglich” zu besuchen. Diese Absage im letzten Moment kann nur eins bedeuten: Es ist dem Gastgeber Slowenien offenbar nicht gelungen, dass Serbien UND das Kosovo an der Konferenz teilnehmen werden. Serbische Medien berichten, Tadić kommt nicht.

Aus dem Büro des Regierungschefs in Slowenien hat man mir heute lediglich gesagt, dass beide eingeladen seien. “Das ist eine offene Einladung. Wir werden morgen sehen, wer an der Konferenz teilnehmen wird.”

Die Westbalkan-Konferenz ist damit gescheitet, noch bevor sie überhaupt stattgefunden hat. Und das ist gut so. Eine diplomatisch elegante Lösung, die beide Parteien kurzfristig an einen Tisch gebracht hätte, hätte nur verschleiert, dass eines der schwierigsten Probleme in der Region weiterhin ungelöst ist. Solange die Statusfrage des Kosovo nicht abschließend geklärt ist, bleibt die Region weiterhin der “explosive Teil Europas“.

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