Der Nachbar

Das Kosovo hat am 17. Februar seine zweijährige Unabhängigkeit gefeiert. Für die meisten Serben ist die einseitige Abspaltung der Provinz und vor allem die breite internationale Anerkennung des Kosovo eine inakzeptable Demütigung. Der serbische Botschafter Ivo Visković erläuterte mir in einem Gespräch, worauf es den Serben ankommt: “Man kann nicht eine Seite in die Lage bringen, in der sie alles verliert und nichts gewinnen kann, nicht einmal etwas Symbolisches. Es ist wichtig, weder gedemütigt noch erpresst zu werden. Wie in vielen anderen Dingen ist es auch hier wichtig, sein Gesicht zu wahren.”

Serbien sei durchaus bereit, das Kosovo-Thema NACH dem EU-Beitritt Serbiens vollständig zu lösen. “Wir sind überzeugt, dass die einzig mögliche endgültige Lösung nur ein Kompromiss sein kann. Wir wissen, dass Serbien für einen solchen Kompromiss etwas opfern muss”, so der Botschafter. Der serbische Außenminister Vuk Jeremic ist bei seinem gestrigen Besuch in Estland noch deutlicher geworden. Er erklärte, dass Serbien die Unabhängigkeit des Kosovo nie anerkennen werde – weder in 20 Jahren, noch in 200 oder 2000. “Wir erklären uns bereit, beliebige mögliche Lösungen bis auf die Anerkennung der Unabhängigkeit zu erörtern”, stellte Jeremic klar.

In Serbien kommen diese Erklärungen sehr gut an – vor allem Deutschland und Frankreich tun sich mit dieser kategorischen Absage allerdings sehr schwer. Der Status des Kosovo ist zwar kein offizielles Beitrittskriterium Serbiens, da fünf EU-Staaten (Spanien, Griechenland, Zypern, Rumänien und die Slowakei) das Kosovo nicht anerkennen.

Serbien will Kosovo nicht als “guten Nachbarn”

Deutschland hat aber bereits deutlich gemacht, dass Serbien das Kosovo anerkennen müsse, BEVOR es der EU beitreten könne. “Für Deutschland ist der Status von Kosovo entschieden”, sagte der deutsche Botschafter Wolfram Maas der Zeitung “Press” (23. Februar 2010): “Für uns ist Kosovo ein Nachbar Serbiens”, und “gut nachbarliche Beziehungen fallen unter die Vorbedingungen für den Eintritt in die EU”. Damit erklärt Deutschland die Anerkennung des Kosovo mit einem kleinen Trick nun doch zum inoffiziellem Beitrittskriterium für Serbien.

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Comments

  1. Von meinem Perspective die Fehl ist, dass einige Staten können nicht ihre Fehlen annerkennen. So dafür conflict ist in Eis, Kosovo ist eine Quasi-State (mehr in meinem post “Kosovo: Two years of Quasi-State” – http://arirusila.wordpress.com/2010/02/20/kosovo-two-years-of-quasi-state/) und Serbia muss auch andere alternative – als EU – denken. Vielleicht die Lösung kann eine “Dritte Weg” gewesen, eine priviligierte Partnership was kann für Turkey möglich sein. (mehr in “Serbia on the road to EU” – http://arirusila.wordpress.com/2009/12/29/serbia-on-the-road-to-eu/).

    P.S. Entschuldige mein Deutsch, keine praxis

  2. “Wir sind überzeugt, dass die einzig mögliche endgültige Lösung nur ein Kompromiss sein kann. Wir wissen, dass Serbien für einen solchen Kompromiss etwas opfern muss”

    Bei einem Kompromiss muss man immer etwas Opfer das ist wohl jedem klar, doch denke ich nicht das Serbien den Kosovo so einfach her geben wird, da sind diese Länder einfach zu Dickköpfig für um einfach mal klein bei zu geben.

  3. Ich finde es total richtig das Deutschland gesagt hat: ” Deutschland hat aber bereits deutlich gemacht, dass Serbien das Kosovo anerkennen müsse, BEVOR es der EU beitreten könne.” Jetzt können die Serben sich überlegen was Ihnen wichtiger ist, der beitritt in die EU oder den Kosovo wieder unter IHre Kontrolle zu bringen. Wobei ich glauge, wenn die Serben schlau sind, werden sie besser der EU beitreten.

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