Der Nachbar

Für Island sieht es gut aus. Am Mittwoch (24. Februar) wird die EU-Kommission wohl empfehlen, die Beitrittsverhandlungen mit der Schuldeninsel im Atlantik aufzunehmen. Jahrzehntelang wollten die Isländer nichts von einem EU-Beitritt hören. Auch heute wollen sie den wohl nicht, doch die Finanzkrise hat das isländische Bankensystem zerstört. Zumindest die isländische Regierung hofft nun auf den Euro, um künftige Zusammenbrüche des isländischen Finanzsystems zu vermeiden. Um den Euro zu bekommen, sind zumindest die Regierenden Islands bereit, der EU beizutreten.

Islands EU-Beitritt könnte schon 2012 zusammen mit Kroatien erfolgen. Immerhin sind die Isländer bestens vorbereitet für die EU, betonen die Isländer ebenso wie die EU-Vertreter. Eigentlich gibt es nur zwei offene Punkte. Da wären die wütenden Niederländer und Briten, die unbedingt 3,8 Milliarden Euro zurückhaben wollen, die sie durch den Kollaps der Landsbanki-Onlinetochter Icesave verloren haben. Das Problem ist, dass die Isländer gar nicht einsehen, wieso sie das Geld zurückzahlen sollen, dass nicht sie, sondern einige Banker verbrannt haben.

Das zweite Problem ist nachhaltiger. Es ist der Fisch. Die Isländer verfügen im Atlantik über eine 200-Seemeilen tiefe nationale Fischereizone mit einer Größe von 760 000 Quadratkilometern: Das ist siebenmal so groß wie die Insel selbst und gut doppelt so groß wie Deutschland. Hier befinden sich einige der größten Fischbestände des Ozeans. Und nach EU-Recht müssten diese zu EU-Gewässern werden.

Die Isländer werden sich hier wohl auf einen Kompromiss einlassen müssen. Ob das Inselvolk dem dann in einer Volksabstimmung zustimmen wird, ist offen. Die Norweger haben einen bereits ausgehandelten EU-Beitritt ihres Landes schon zweimal per Referendum gestoppt: 1972 und 1994. Auch hier spielte der Fisch eine entscheidende Rolle. Noch heute streiten sich die EU und die Norweger jährlich um die Fischfangquoten in der Nordsee und im Nordatlantik.

Wenn nun aber die Isländer vormachen, dass ein Kompromiss mit der EU möglich ist, der vom Volk akzeptiert wird, dann wird es ganz sicher auch in Norwegen eine neue EU-Beitrittsdebatte geben. Norwegen wäre sonst das einzige nordeuropäische Land, das nicht in der EU ist.

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