Der Nachbar

Der türkische Europaminister Egemen Bağış rührte diese Woche im Europäischen Parlament die Werbetrommel für sein Land und vor allem für Istanbul, Europäische Kulturhauptstadt 2010. Interessiert hat die Präsentation offenbar nur wenige EU-Abgeordnete. Ich war nicht dabei, doch türkische Journalisten, die dort waren, meinten, dass es mehr Vertreter der türkischen Delegation gab als anwesende Europaabgeordnete. Vor allem die größte Fraktion im EU-Parlament, die konservative Europäische Volkspartei (EVP), glänzte mit Abwesenheit.

Altes Europa, junge Türkei

“Europa ist das Problem, die Türkei ist die Lösung”, drehte Bağış den Argumentationsspieß zum Thema EU-Beitritt der Türkei um. Der alten EU (Durchschnittsalter: 42 Jahre) stehe eine junge Türkei (Durchschnittsalter: 28 Jahre) gegenüber. Auch für die Unternehmen wie den französischen Autobauer Renault sei die Türkei attraktiv. “2008 schrieb Renault in jedem Werk Verluste, außer in den Werken in Rumänien und der Türkei”, so Bağış. Weshalb der türkische Minister zudem glaubt, dass “Europa ohne Istanbul unvorstellbar” sei, steht hier.

Debatte um Beitrittsperspektive

Ob Bağış die (abwesenden) Türkei-Skeptiker im EU-Parlament mit seinen Argumenten überzeugen konnte, darf bezweifelt werden. Nächste Woche steht die Beitrittsperspektive für Kroatien, Mazedonien und die Türkei auf der Agenda der Parlamentsdebatte am Mittwoch (10. Februar) in Straßburg. Mehr Infos dazu gibt es hier. Die Türkei wird bei dieser Gelegenheit wohl eher wieder an ihre “begrenzten Fortschritte” bei den meisten Reformen erinnert werden. Warum? Das steht hier.

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