Der Nachbar

Serbien will in die EU – und das möglichst schnell. Ermutigt wird Serbien dabei vom griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou, der angeregt haben soll, Serbien und die anderen Westbalkan-Staaten bis 2014 in die EU aufzunehmen. 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs solle Europa damit wieder vereint werden.

Als ich vor wenigen Tagen Alexander Graf Lambsdorff, Vize-Vorsitzender der Liberalen-Fraktion im EU-Parlament, auf das mögliche Beitrittsdatum ansprach, sagte er “Erstens ist das Datum komplett unrealistisch. Und zweitens begeht jeder einen schweren Fehler, der überhaupt konkrete Daten nennt.”

Nichtsdestotrotz macht Serbien Druck: Der serbische Außenminister Vuk Jeremić war letzte Woche im EU-Parlament und hat angekündigt, dass sein Land noch in diesem Jahr einen Beitrittsantrag bei der EU einreichen werde. Dem Serbien-Berichterstatter des EU-Parlaments, Jelko Kacin, fiel der Außenminister dabei vor allem durch Arroganz und herablassende Bemerkungen über die Türkei und Albaner auf.

Kurz nach dem diplomatischen Eklat flog der serbische Präsident Boris Tadic nach Berlin und sicherte sich bei Angela Merkel die Rückendeckung für die “europäische Perspektive” seines Landes.

Doch so schnell wird Serbien nicht in die EU kommen. Wenn die deutsche Kanzlerin am 16. November diplomatisch erklärt hat, es müssten noch “eine Reihe von Hindernissen” überwunden werden, bevor das Land offizieller EU-Beitrittskandidat werden könne, dann ist das nichts anders als ein klares “Nein” zum serbischen Vorstoß.

Es ist auch völlig unklar wie die EU überhaupt in Erwägung ziehen kann, mit Serbien über einen EU-Beitritt zu verhandeln, ohne vorher die Kosovo-Frage zu klären. Schließlich hat Tadic diese Woche einmal mehr klar gemacht, dass “Serbien nie die Unabhängigkeit von Kosovo anerkennen kann und wird”.

Wer aber Serbien in die EU aufnehmen will und dabei die Kosovo-Frage ausblendet, nimmt eine dauerhafte Destabilisierung und Zersplitterung der Westbalkan-Region in Kauf.

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