Rogozin poltert gegen Osteuropäer
Wenn Dimitrij Rogozin eine Rede hält, dann geht es zur Sache. Der Botschafter Russlands bei der Nato ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Gestern Abend nahm sich Rogozin bei einer DGAP-Veranstaltung in Berlin einmal mehr die Osteuropäer zur Brust, die kein Interesse an guten Beziehungen Russland-EU hätten, so sein Vorwurf.
Verärgert über Polen
Besonders verärgert zeigte sich Rogozin über die Polen. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski hatte wenige Stunde zuvor, in Washington erklärt, es fühle sich durch Russland bedroht und bitte daher um eine Stationierung von Nato-Truppen in seinem Land. “Polen braucht ganz sicher keine amerikanischen Soldaten. Die würden dort bloß rumsitzen und sich langweilen”, so Rogozin ironisch. Doch Russland sieht den polnischen Vorschlag keineswegs gelassen. Der Vorschlag bringt den friedliebenden russischen Bären, als den Rogozin sein Land versinnbildlicht, in Rage. Wenn Rogozin anschließend erklärte, dass das Beziehungs-Thermometer mit manchen Nato-Ländern Leichenhaus-Niveau anzeige, dann war diese Anspielung auf Polen gemünzt.
Gegenseitige Sicherheitsgarantien
Rogozin forderte unmissverständlich, dass zunächst alle Kanonen in Europa (gemeint ist vor allem Osteuropa) von Russland weggedreht und auf gemeinsame Feinde auf der Südhalbkugel gerichtet werden müssten. DANACH könnten sich Nato und Russland vertraglich gegenseitig Sicherheitsgarantien geben. Die Nato müsse dabei klarstellen, dass der Artikel 5 der Nato-Statute (Bündnisfall) nicht auf Russland anwendbar sei. Und Russland könne im Gegenzug Sicherheitsgarantien abgeben, dass sie niemals einen Konflikt mit einem Nato-Land auf militärische Art zu lösen versuchen werde.
DANACH könnten Nato und Russland gemeinsam Sicherheitsgarantien für andere Länder abgeben, zum Beipiel auch für die Ukraine.
Keine Sicherheitsgarantie für Juschtschenko
Ja, die Ukraine. Auch hier machte Rogozin keinen Hehl daraus, dass sich die bilateralen Beziehungen auf einem Tiefpunkt befinden. Der Schuldige ist für ihn dabei ganz klar der derzeitige Präsident Wiktor Juschtschenko. Solange kein neuer Präsident gewählt sei (Juschtschenko wird bei den Wahlen am 17. Januar 2010 sein Amt voraussichtlich an die derzeitige Regierungschefin Julia Timoschenko oder an den Oppositionsführer Wiktor Janukowitsch verlieren), solange gebe es auch keine neuen Sicherheitsgarantien für die Ukraine.
Ansonsten seien sich Russen und Ukrainer so nahe, dass “wir alles, was in der Ukraine passiert, auch als innere Angelegenheit ansehen”, stellte Rogozin klar. Deshalb sei das Drängen der Ukraine in die Nato für Russland völlig unbegreiflich und inakzeptabel. “Es ist für uns schlicht eine Unmöglichkeit, dass die Ukraine Mitglied eines für Russland fremden Militärbündnisses sein könnte.”
Das Schicksal der Nato entscheidet sich in Afghanistan
In dem unverblümten Vortrag von Rogozin mit anschließenden Wortbeiträgen von hochkarätige Diplomaten ging es gestern natürlich auch um DAS Sicherheitsthema überhaupt: Afghanistan. Hört man Rogozin zu, so ist der Nato-Krieg in Afghanistan zum Scheitern verurteilt. Ein US-Diplomat pflichtete Rogozin naturgemäß nur insoweit bei, als dass sich das Schicksal der Nato in Afghanistan entscheidet. Doch das ist wohl eher ein Thema für einen anderen Blog.


