Der Nachbar

EurActiv veröffentlicht heute ein Exklusiv-Interview mit Jo Leinen. Der EU-Abgeordnete (SPD) ist stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Auswärtige Angelegenheiten (AFET) und Vorsitzender des Umwelt-Ausschusses (ENVI) im Europäischen Parlament. Vorab veröffentlicht der Nachbar folgenden Auszug zum Thema EU-Erweiterung.

EurActiv.de Wo liegt die Grenze der EU-Erweiterung?

Leinen: Ich warne davor, die EU wie einen Nationalstaat mit festen Grenzen zu sehen. Die EU ist ein historischer Prozess, der noch nicht zu Ende ist. Zu viele sagen: bis hierher und nicht weiter. Das geht schon nicht für die Balkanländer, denen eine Mitgliedschaft versprochen wurde. Es geht juristisch auch für die Türkei nicht, die eine Zusage hat. Wir wissen, dass auch die Ukraine und Moldawien an die Tür klopfen werden. Wenn es demokratisch wird, ist auch Weißrussland ein Kandidat. Wir müssen jetzt aber erst mal den Beitritt von 12 Ländern verdauen. Dieser Prozess wird noch Jahre gehen. Aber der Blick in das 21. Jahrhundert zeigt, dass sich die Welt neu ordnet und auch mit neuen Größenordnungen arbeiten wird. Europa machte im Jahr 1950 rund 20 Prozent der Weltbevölkerung aus, im Jahr 2050 werden es nur noch sieben Prozent sein. Indien und China sind jetzt schon bevölkerungsstärker. In 10 bis 20 Jahren wird man deshalb noch einmal anders über die Erweiterung denken. Die Tür muss offen bleiben.

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